Hauptfilm Die Frühgeschichte des Kinos (Titel)

Die Entstehung
des ortsfesten
Kinos


Parallel zur Industrialisierung und Monopolisierung hatte das Jahrmarktkino ab der Jahrhundertwende mit der steigenden Zahl der ortsfesten Kinos hauptsächlich in den Großstädten zu kämpfen.

 
 
 


Etwa ab 1905/1906 wurden die Wanderkinos zunächst von provisorisch eingerichteten Ladenkinos, dann von komfortableren Lichtspieltheatern mit bis zu 1000 Sitzplätzen verdrängt.(46)
 

Ab 1907 setzte sich in Deutschland der Filmverleih als Bindeglied zwischen Produktion und Kinobetreiber durch und bewirkte einen rasanten Anstieg der Kinozahl.(47) Waren in Deutschland 1900 erst zwei feste Filmtheater in Hamburg und Würzburg, so stieg deren Zahl um 1910 auf 480 und 1913 auf mehrere Tausend an.(48)

Allein in Berlin wuchs die Zahl der "Kientöppe"(49) von 1905 bis 1907 von 21 auf 132.(50) In den USA war das Pendant zu den Ladenkinos die "Nickelodeons", die ihren Namen von dem üblichen Eintrittsgeld von fünf Cents hatten. Im Juni 1905 eröffnete das erste dieser Kinos in Pittsburgh, und genau zwei Jahre später besaß allein New York City 400.(51) Etwa ab 1910 bis weit nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in den wichtigsten Filmnationen Kinopaläste mit Fassungsvermögen von mehreren Tausend Zuschauern.

Diese Entwicklung der Größe und Form der Filmtheater, die bis weit nach dem Ersten Weltkrieg andauerte, spiegelte den wirtschaflichen Reichtum der Branche und deren konkurrenzlose Stellung innerhalb der Vergnügungsindustrie wider. Das Kino hatte sich endgültig durchgesetzt.(52)

 
 
(46) vgl. Horvatitsch (1990), S. 14 f.
(47) vgl. ebd., S. 17
(48) vgl. Noack (1913), S. 12, S. 16; vgl. Werner (1990), S. 38.
Es ist dabei zu beachten, daß die statistischen Angaben der verschiedenen Autoren variieren, aber einen gemeinsamen Trend zeigen.

(49) s. Noack (1913), S. 3
(50) vgl. Hanisch (1991), S. 254
(51) vgl. Musser (1940), S. 417-428
 
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