Hauptfilm Die Frühgeschichte des Kinos (Titel)

Industrielle
Filmproduktion


Einzelne Firmen konnten sich über Patentrechte eine marktbeherrschende Stellung verschaffen. Im Deutschen Reich konnte Otto Messter, der v.a. durch zahlreiche Verbesserungen der Technik

 
 


und durch seine "Tonbilder", Filmvorführungen mit synchron laufendem Grammophon, von großer Bedeutung für die Filmgeschichte ist, die industrielle Filmproduktion begründen.(37)
 

International spielte der Filmproduzent Messter, ebenso wie zunächst der deutsche Film insgesamt, allerdings eine untergeordnete Rolle.(38) (In Deutschland betrug vor 1914 die nationale Produktion, einschließlich der von deutschen Tochtergesellschaften ausländischer Firmen produzierten Filme lediglich zwölf Prozent. (39)

In Frankreich begannen Charles Pathé und Leon Gaumont mit ihren Firmen eine Vormachtstellung zu erlangen, mit der sie bis zum ersten Weltkrieg den gesamten Weltmarkt dominieren konnten.(40) Sie produzierten ihre Filme gezielt für ein Jahrmarktspublikum und die Firma Pathé Frères war die erste, die ihre Filme vermietete und somit den Filmverleih begründete.(41) Sie war auch die erste, die eine regelmäßige Wochenschau, das "Pathé Journal" herausbrachte.(42)

Die Massenproduktion führte dazu, daß die Filmindustrie ein bedeutender Arbeitgeber für eine Vielzahl von Berufen wurde, von Musikern, Bühnenarbeitern, usw. bis hin zu Beschäftigten anderer Branchen, die indirekt durch den Film profitierten, wie die optische oder die chemische Zulieferindustrie.(43) Während allerdings die Unternehmensgewinne ständig gestiegen sind, blieben die Einkommen der Arbeiter und Angestellten, insbesondere auch für die Schauspieler sehr gering.(44)

In den USA versuchte Edison seit 1897 über eine Vielzahl von Gerichtsverfahren gegen seine Konkurrenten, die wiederum mit Gegenklagen antworteten, vorzugehen, um eine Monopolstellung zu erreichen. Insgesamt wurden in diesem Patent-Krieg über 500 Prozesse geführt, bis sich 1908 die neun größten Filmproduzenten, neben Edison, die Biograph, die Vitagraph und andere US-Firmen auch die Agenturen der französischen Firmen Pathé Frères und Meliès zu einem Trust zusammenschlossen, der Motion Picture Patents Company (MPPC).

Der Rohfilmproduzent George Eastman verpflichtete sich ausschließlich an die MPPC zu liefern, und der Vertrieb der Filme lief im wesentlichen über die General Film Company, ein Zusammenschluß der Verleihfirmen, mit der umfassende Monopolvereinbarungen getroffen worden sind.

Gegen die Übermacht der MPPC versuchten nun verschiedene unabhängige Produktionsgesellschaften mit Antitrustklagen vorzugehen. Die Begründer dieser "Independants" waren oftmals kleine Einwanderer mit den verschiedensten Berufen, die in der riskanten Kinobranche ihr Glück suchten. Unter ihnen fanden sich einige der später mächtigsten Leute der amerikanischen Filmindustrie; z.B. Carl Laemmle, der spätere Mitbegründer der Universal Film Manufactoring Company, Adolph Zukor, der Begründer der Famous Players Lasky und spätere Direktor der Paramount Pictures, oder die vier Brüder Warner.

Aufgrund des besseren Klimas und der großen Entfernung zur etablierten Filmindustrie, die sich an der Ostküste befand, verlagerten die Unab hängigen ihren Standort nach Kalifornien und es entstand Hollywood. Sie begannen dort mit der Produktion auch längerer Filme und schufen die Anfänge des Starsystems.

Damit konnten sie sich gegen den Trust durchsetzen, der gegen den Publikumsgeschmack weiterhin kurze Filme mit nur einem Akt und weitgehend anonymen Darstellern drehte. 1917 wurde der Trust für illegal erklärt und Hollywood begann seine bis heute andauernde weltweite Vorherrschaft.(45)

 
 
(38) vgl. Greqor/Patalas (1982), S. 13; vgl. Kracauer (1984), S. 21 f.
(39) vgl. Toeplitz (1987), S. 105
(40) vgl. Horvatitsch (1990), S. 9 f.
(41) vgl. Sidler (1992), S. 45 f.
(42) vgl. Zglinicki (1919), S. 336;
vgl. Noelle-Yeumann/Schulz/Wilke (1991), S. 19
Die zwei Quellen sind sich uneinig, ob dieses Ereignis 1906 oder 1909 stattfand.

(43) vgl. Harms (1921), S. 7
(44) vgl. Noack (1913), S. 16 f.
(45) vgl. Zielinski (1989), S. 83-86; vgl. Monaco (1485) S. 220-222, vgl. Sidler (1982), S. 55-62
 
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