Hauptfilm Die Frühgeschichte des Kinos (Titel)

Von den An-
fängen bis zum
Filmhandwerk


Die Vorführungen der Lumières waren schnell sehr erfolgreich. Jeden Tag wurden von 10 bis 23 Uhr 18 Vorstellungen gegeben, die jeweils um die 20 Minuten dauerten und etwa zehn Filme beinhalteten.

 
 
 


Der Umsatz stieg, bei einem Eintrittspreis von einem Franc, von 35 Franc für die erste Vorführung schnell auf nahezu 2500 Francs Tagesumsatz.(25)
 

Die guten Beziehungen der Lumières, deren Vater eine gutgehende Fabrik der fotografischen Industrie besaß, waren beim Vertrieb des neuen Apparates sehr behilflich.(26) Auch in den USA war der Cinématographe nach seiner Premiere im Juni 1896 vorübergehend erfolgreicher als die amerikanischen Konkurrenten Eidoloscope und Vitascope, das inzwischen von Edison entwickelte System.(27)

Jedoch bald darauf verloren die Lumières ihre Geschäftsgrundlage in den USA wegen Verletzungen der Zollbestimmungen(28), und auch in Europa ging das Interesse der Zuschauer an den Filmen der französischen Brüder zurück. Nach 1898 verzichteten sie deshalb auf die Filmproduktion und konzentrierten sich völlig auf die Herstellung von Kameras und Projektoren.(29)

In den USA wurde 1897 die, u.a. von dem Edison-Mitarbeiter Dickson gegründete, American Mutoscope & Biograph Company (Biograph) für ein paar Jahre die bedeutendste Filmgesellschaft.(30) In Frankreich entstand im gleichen Jahr das erste europäische Filmatelier durch George Meliès, der als erster Filmkünstler bald für viele Filmproduzenten in verschiedenen Ländern zum Vorbild wurde.(31)

Die Herstellung eines Films war damals nahezu vollständig das Werk einer einzelnen Person, die gleichzeitig "Regisseur, Kameramann, Dekorateur und Laborant" war und in der Regel auf eigene Rechnung arbeitete.(32)

Um die Jahrhundertwende begann in Europa die Zeit der Jahrmarktkinos (Wanderkinos), die das Variété als Aufführungsort ablösten.(33) Durch den ständigen Ortswechsel und das wechselnde Publikum war es möglich, wirtschaftlicher zu arbeiten, und die Filmvorführungen wurden trotz ihrer mangelhaften Qualität(34) bald zur Hauptattraktion.(35)

Auf der Weltausstellung, die 1900 in Paris stattfand, spielte das Kino eine zentrale Rolle. Viele zukünftige kinematografische Entwicklungen, wie Farbfilm, Tonfilm und Breitwandprojektion wurden bereits vorgeführt. Das Cinéorama vermittelte den unter einer riesigen Ballonkonstruktion stehenden Zuschauern, über zehn auf eine Art Rundhorizont gerichtete Projektoren, die Illusion einer Ballanfahrt.

Doch die Zeit war noch nicht reif für Innovationen dieser Art, und es begann zunächst die industrielle Auswertung der ursprünglichen Erfindung.(36)

 
 
(25) vgl. Sidler (1982) S. 17
(26) vgl. Toeplitz (1987), S. 17
(27) vgl. Musser (1990), S. 135-139
(28) vgl. Sidler (1982), S. 22
(29) vgl. Gregor/Patalas (1982), S. 11
(30) vgl. Musser (1990), S. 145
(31) vgl. Berger (1986), S. 36
(32) vgl. Toeplitz (1987), S. 21
(33) In den USA verlief die Entwicklung anders. Dort waren die Filme weiterhin fester Bestandteil von Music-Hall- und Vauderville-Proqrammen. Vgl. Paech (1986), S. 31
(34) vgl. Harms (1927), S. 1
(35) vgl. Horvatitsch (1990), S. 12 f.
(36) vgl. Sidler (1982), S. 43-44;
 
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