Hauptfilm Die Frühgeschichte des Kinos (Titel)

Der französische
Film


Im französischen Film, der bis zum Ersten Weltkrieg den Weltmarkt dominierte(72), wurden ab 1907 Versuche unternommen, mit der Idee vom "Film d'Art" ein zahlungskräftigeres Publikum zu gewinnen.

 
 


Es wurden zur Überwindung der Themenkrise literarische Stoffe übernommen und in der Theaterkonvention ohne eigentliche filmische Mittel inszeniert.
 

Der Versuch zu einem künstlerischen Film zu gelangen scheiterte aufgrund der Unzulänglichkeiten des Films gegenüber dem Theater. Dennoch führte der Film d'Art dazu, daß die Literatur als legitime Quelle für Verfilmungen akzeptiert wurde und namhafte Theaterkünstler einbezogen wurden.(73)

Auch in Deutschland kam es in der Folge zu Autorenfilmen, angefangen von "Der Andere" von Max Mack mit Albert Bassermann aus dem Jahre 1913, die auch ein intellektuelles Publikum in das Kino zogen.(74) Als Reaktion auf die klassizistischen Theaterverfilmungen wurden ab 1908 von verschiedenen Regisseuren der Produktionsgesellschaften Pathé, Gaumont und Eclair Filme gedreht, die einem naturalistischen Konzept verbunden waren.

Charakteristisch für diese Filme, die bessere kommerzielle Erfolgschancen versprachen, war die genaue Abbildung der Realität ohne Übertreibungen, bis zu Einzelheiten in der Dekoration.(75) Die bedeutendsten Vertreter waren Victorin Jasset und Louis Feuillade mit ihren Verbrecherserien, denen vorgeworfen wurde, mit ihren anarchistischen Helden, z.B. Nick Carter und Fantomas, "die Grundlagen der Gesellschaft zu unterminieren".(76)

Obwohl mit diesen Filmen der Ansatz zu realistischen, gesellschaftlich engagierten Filmen gegeben war, blieben die Regisseure aufgrund ihrer Einbindung in die industriellen Strukturen doch weitgehend auf der Linie eines sozialen Konformismus.(77)

Zu den bedeutendsten Filmgenres aus Frankreich vor dem Ersten Weltkrieg gehörten auch die Groteskfilme von Emile Cohl, Andre Deed, Jean Durand und vor allem Max Linder.

Ihre anarchistische Komik, die um 1912 ihren Höhepunkt erreichte, beeinflußte maßgeblich Mack Sennett, der in den USA zur gleichen Zeit anfing, Filme zu drehen. Aus dessen Komikergruppe gingen später so erfolgreiche Namen wie Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harry Langdon oder Harold Lloyd hervor.(78)

 
 
(72) vgl. Sidler (1982), S. 53
(73) vgl. Toeplitz (1987), S. 49-53
(74) vgl. Zglinicki (1979), S. 377 f.
(75) vgl. Toeplitz (1987), S. 53 f.
(76) s. Gregor/Patalas (1982), S. 18
(77) vgl. ebd., S. 17
(78) vgl. Sidler (1982), S. 252-257; vgl. Toeplitz (1987), S. 13
 
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