Hauptfilm Die Frühgeschichte des Kinos (Titel)

Fotografie


Eine weitere Voraussetzung für das Kino war die Fotografie. Ausgehend von der Idee, das von der Camera Obscura projizierte Bild, das Jahrhunderte lang vor allem Malern als Vorlage diente, zu fixieren, gelingt in den

 


20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts den Franzosen Joseph-Nicéphore Niépce und Louis Jacques Maudé Daguerre die Erfindung der Fotografie, ab 1839 zunächst Daguerreotypie genannt.
 

Dieses Phänomen übertrifft in seiner Bedeutung alle anderen Schritte auf dem Weg zur Erfindung der Kinematographie bei weitem, da es unabhängig vom Film alle Bereiche des menschlichen Wissens durchdrungen hat.(13) Das größte Problem der frühen Fotografie waren die langen Belichtungszeiten, die aber in den ersten 50 Jahren von sechs Stunden auf den Bruchteil einer Sekunde reduziert werden konnten.(14)

Als Vorläufer des Kinos spielte insbesondere die Serien- oder Chronophotographie eine wichtige Rolle, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts verschiedene Forscher beschäftigte. 1874 hält der französische Astrophysiker Jules Janssen mit seinem "photographischen Revolver", mit einer drehbaren lichtempfindlichen Platte die einzelnen Bewegungsphasen des Planeten Venus fest. In der Folgezeit sind es vor allem der in die USA emigrierte Brite Eadward Muybridge, der Franzose Etienne-Jules Marey und der Deutsche Ottomar Anschütz, die sich mit den Bewegungsabläufen von Lebewesen beschäftigten.

Kennzeichnend für die Fortentwicklung der Reihenfotografie ist, daß sie vorwiegend durch wissenschaftliches Interesse motiviert ist.(15) So betreibt Marey seine Studien, um "(...) uns über all die Bewegungen auf's Genaueste zu unterrichten, denen unser Auge nicht folgen kann, weil sie entweder zu schnell oder zu langsam oder zu verwickelt sind."(16)

Einsatzgebiete sieht er in der Physik und der Naturgeschichte.(17) Ein weiteres Anwendungsfeld war die wissenschaftliche Betriebsführung (Taylorismus), die u.a. durch Bewegungsstudien angeregt wurde.(18)

 
 


Fotografierter Sprung, Ottomar Anschütz, 1886
Quelle:
Fraenkel (1956), S. 215

 
 
(13) vgl. Zglinicki (1979), S. 140
(14) vgl. ebd. S. 165
(15) vgl. Praenkel (1956), S. Z1-29; vgl
(16) s. Marey (1893), S. 2 f.
(17) vgl. ebd., S. 91
(18) vgl. Berger (1986), S. 26
 
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