Hauptfilm Die Frühgeschichte des Kinos (Titel)

Optische
Gesetze


Eine zweite entscheidende Voraussetzung für das Kino ist die Wahrnehmung des Menschen selbst und deren Eigenschaft, daß eine rasche Abfolge von unbewegten Einzelbildern als eine Bewegung identifiziert wird.

 
 


Die Grundlage für dieses wahrnehmungspsycho- logische Phänomen liegt vor allem in dem stroboskopischen Effekt, also der Illusion der Zusammengehörigkeit von rasch hintereinander- folgenden Bildern.
 

Verstärkt wird dies durch die Netzhautträgheit, die bewirkt, daß ein Bildeindruck auch nach der Lichteinwirkung noch für den Bruchteil einer Sekunde bestehen bleibt (Persistenz der Wahrnehmung).(11) Angeregt durch diese Erkenntnisse waren im 19. Jahrhundert verschiedene, vor allem über den Spielzeughandel vertriebene, Vorrichtungen sehr beliebt, die die beiden Effekte hervorriefen.

Hierzu zählt das Thaumatrop, eine Scheibe mit unterschiedlichen Darstellungen auf Vorder- und Rückseite, die durch schnelle Drehungen der Scheibe aufgrund des Nachbildphänomens zu einer Abbildung verschmelzen. Weitere für die Filmgeschichte sehr wichtige Vorrichtungen sind das Lebensrad (Stroboskop), die Wundertrommel (Zoetrop), das Praxinoskop, sowie das Abblätterbuch ("Daumenkino") und dessen Weiterentwicklung, das Mutoskop.

Ohne an dieser Stelle auf die genauen Unterschiede einzugehen, läßt sich als Gemeinsamkeit das Hervorrufen des stroboskopischen Effekts nennen, in dem eine Reihe Einzelbilder von Bewegungsphasen zumeist durch eine schnelle Rotation der Vorrichtung als ein zusammenhängender Bewegungsablauf wahrgenommen wird.(12)

 
 


Apparaturen zur Erzeugung des stroboskopischen Effekts
  • a) Lebensrad nach Simon Stampfer, 1832
    Quelle:
    Zglinicki (1479), S. 111
  • b) Zauberscheibe für das Lebensrad
    Quelle:
    Zglinicki (1486), S. 42
  • c) Wundertrommel
    Quelle:
    Zglinicki (1486), S. 43
  • d) Mutoskop
    Quelle:
    Zglinicki (1474), S. 127
 
 
(11) vgl. Zglinicki (1986), S. 41
(12) 12 vgl. Berger (1986), S. 15-18; vgl. Zglinicki (1979), S. 108-128
 
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